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Bob Dylan: Dem Alten macht die Arbeit Spaß |
| Wallfahrt zum großen Verweigerer: Dylans Konzert im Münchner Zenith |
| Bob Dylan: Dem Alten macht die Arbeit Spaß |
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MÜNCHEN - Für die Fans von Bob Dylan fällt Weihachten dieses Jahr auf den 24. April: Da erscheint sein neues Studio-Album «Together Through Life«, was auch die Beziehung des Meisters zu seiner Fangemeinde auf den Punkt bringt. Zusammen durchs Leben und nicht untergehen, zusammen alt werden und dabei jung bleiben. Bis zum nächsten Wiedersehen.
Vor gut dreißig Jahren trat Bob Dylan zum ersten Mal in Deutschland auf – 1978 in Berlin und auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Eine Symbolfigur schon damals. Seit zwanzig Jahren befindet er sich auf einer selbstverordneten «Never Ending Tour« und spielt an allen möglichen und unmöglichen Orten dieses Planeten. Auf der vergeblichen Flucht vor dem eigenen Mythos. Im Zickzack-Kurs durch das eigene Riesenrepertoire. Jetzt beglückt Dylan wieder Europa und steht im Zenith seines Erfolges, der ihn nicht weiter zu kümmern scheint.
Dieser Mann ist nicht zu fassen
Sein Album «Modern Times« hat ihn vor ein paar Jahren nicht nur in die Charts, sondern auch der jungen Generation nahe gebracht. Was immer er auch anfasst, es nährt seine Legende: Ob seine Memoiren oder Filme wie «I’m Not There«, seine Kultsendung in einem amerikanischen Privatradio, die Veröffentlichung von Bootlegs oder seine erste Kunstausstellung 2007 in Chemnitz. Und immer gilt: Dieser Mann ist nicht zu fassen.
Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Club-Fans und Dylan-Anhänger wissen, dass alles relativ ist im Leben: Aufstieg und Abstieg, Erfolg und Misserfolg, Zeit und Geld, Siege und Niederlagen. Der ruhmreiche Club und der rätselhafte Sänger haben ihren Getreuen im Laufe der Jahre so einiges an Leidensfähigkeit und Geduld abverlangt. Und Außenstehenden wird wohl niemals zu erklären sein, warum man sich diese Zitterpartien immer wieder antut, immer wieder antun muss. Wie wird er (der Club bzw. der Meister) das nächste Mal spielen? Grandios oder grottenschlecht?
Buntgemischtes Publikum
Auf der nach unten offenen Dylan-Skala nimmt der ausverkaufte Auftritt in der Münchner Zenith-Halle einen respektablen Mittelwert ein. Alt und jung sind im enthusiasmierten Publikum bunt gemischt, Darunter sind neubekehrte Teenager und zottelige Alt-68er, bayerische Schickis und hessische Mickis, fränkische Dialektdichter und sogar ein leibhaftiger Nürnberger Oberbürgermeister. Vor dem Herrn und Meister sind alle gleich – und müssen stehen. Das Konzert durchstehen, genauer gesagt.
Der Sound in der langgestreckten Fabrikhalle ist anfangs grausam, am Ende erträglich. Das Konzert folgt den bekannten Regeln: Dylan und seine fünf Musiker beginnen pünktlich wie die Maurer und hören nach knapp zwei Stunden ebenso auf, gespielt werden 17 Songs, davon drei Zugaben. Bis auf zwei Ausnahmen bedient Dylan seine Heimorgel und keine Gitarren. Alle tragen schwarze Anzüge und schwarze Hüte, nur er selbst trägt zur besseren Erkennbarkeit ein helles Jackett und – Augenzeugen aus der ersten Reihe zurfolge – ein Lächeln im Gesicht. Dem Alten macht die Arbeit offensichtlich Spaß.
Ein echter Improvisationskünstler
Vielleicht freut er sich auch nur darüber, dass nur die hartgesottensten Zuhörer die Songs erkennen. Er ist schließlich Improvisationskünstler und kein Wiederholungstäter. Im Halbkreis stehen die Musiker, darunter drei Gitarristen, auf der Bühne, lassen es gehörig krachen und folgen ihrem Chef aufs Wort.
Wie man weiß, ändert Dylan sein Programm Abend für Abend, die im Internet kursierenden Setlisten beweisen es. In München spielt er vor allem Songs aus der Frühphase und aus dem Spätwerk. Er beginnt mit «Maggie’s Farm« als Rock-Shuffle, bläst bei «One More Cup of Coffee« die Mundharmonika, serviert «You Ain’t Going’ Nowhere« als schummrigen Schieber.
Gebellte Texte
Stimmlich hat er die Phase des Jaulens und Krächzens überwunden, der Meister bellt seine Texte neuerdings am liebsten. Vieles wird verhackstückt und bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Im Publikum sagt einer zu seinem Nebenmann: «Ach, das war ,Like a Rolling Stone’? Das hatte ich ganz anders in Erinnerung.« Der Dialekt-Dichter meint: «Bemerkenswert, dass er auch die sozialkritischen Songs ,The Lonesome Death of Hattie Carroll’ und ,Ballad of Hollis Brown’ gespielt hat.«
Zu hören ist auch eine mitreißende Rock-Version von «Highway 61 Revisited«. Bei den Zugaben wird «Spirit on the Water« zugelärmt, «Blowin’ in the Wind« kurz und klein gehackt. «How many roads must a man walk down/Before you call him a man?« Auf seiner unendlichen Reise wird Dylan diese Frage noch lange vor sich herschieben. Die Antwort weiß nur der Wind.
Fans verzeihen alles
Bis dahin wird die Fangemeinde diesem komischen Heiligen alle Schrullen und Schwächen verzeihen. In der Erinnerung verklärt sich vieles, doch das beste Dylan-Konzert ist stets das nächste. Es kann nur besser werden. Doch man weiß ja nie, was einen erwartet.
Steffen Radlmaier |
| 6.4.2009 |
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