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«Ich träume von einem Konzert im All« |
| Der französische Sound-Bastler Jean Michel Jarre gastiert in Bamberg |
| «Ich träume von einem Konzert im All« |
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NÜRNBERG - Jean Michel Jarres Klangvisionen waren wegbereitend für die elektronische Musik. Im Lauf seiner Karriere verkaufte der französische Synthesizer-Pionier 80 Millionen Tonträger. Er spielte als erster westlicher Musiker in der Verbotenen Stadt, gab ein Konzert für den Papst und die Nasa. Privat war Jarre mit der Filmdiva Charlotte Rampling verheiratet und später mit Isabelle Adjani verlobt. Zur Zeit ist der 61-Jährige auf seiner ersten Welttournee, die ihn im März auch nach Bamberg führt.
Monsieur Jarre, warum gehen Sie erst jetzt, mit 61, erstmals auf Welttournee?
Jarre: Die Hallen sind inzwischen technisch gut genug, um die Magie eines Open-Air-Konzerts in einen vor Wind und Wetter geschützten Raum zu holen. In den 70er und 80er Jahren war es technisch noch nicht möglich, meine filmischen Visionen in den Arenen umzusetzen. Deshalb konnte ich lange Zeit nur Einzel-Events realisieren.
Heutzutage gibt es kein Stadion- bzw. Hallenkonzert mehr ohne Leinwände neben der Bühne. Darauf werden auch Werbespots für Shampoo und Handys gezeigt. Machen Sie es anders?
Jarre: Mich persönlich frustriert es, bei einem Konzert auf der Leinwand immer nur Nahaufnahmen der Künstler zu sehen. Das lenkt vom eigentlichen Bühnengeschehen ab. Meine Performance hingegen erinnert an einen Film. Ich benutze innovative 3D-Techniken und es werden wieder Laser zum Einsatz kommen, aber nicht im Sinne einer Discobeleuchtung. Was auf der Bühne stattfindet, ist eine visuelle Übersetzung meiner Musik. Es hat mehr mit einer modernen Oper als mit einem Rockkonzert zu tun.
Am 5. April 1986 spielten Sie anlässlich des 150. Geburtstags des US-Bundesstaats Texas und dem 25. Jubiläum der Nasa ein Konzert vor 1300000 Zuhörern in Houston und erhielten dafür einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Wann ist eine Show aus Ihrer Sicht erfolgreich?
Jarre: Ein erfolgreiches Konzert muss zusammen mit dem Publikum funktionieren. Ob es zu einer Liebesgeschichte zwischen Publikum und Künstler kommt, hängt stark davon ab, was auf der Bühne passiert. Natürlich ist es wichtig, ob ein Konzert ausverkauft ist oder nicht. Die Kosten müssen schließlich wieder eingespielt werden. Aber mir persönlich liegt das Künstlerische mehr am Herzen.
Viele Leute denken bei Ihrer Musik an den Weltraum. Private Flüge ins All sind inzwischen möglich. Hätten Sie Lust darauf?
Jarre: Als ich damals das Konzert für die Nasa vorbereitete, war geplant, dass einer der Challenger-Astronauten im All eines meiner Stücke auf dem Saxofon spielt. Wie Sie wissen, explodierte die Challenger tragischerweise im Januar 1986 kurz nach dem Start. Mein Name stand auf der Liste der ersten Privatpersonen im All - zusammen mit dem Rock’n’Roll-Sänger Johnny Rivers. Die Nasa stellte jedoch ihr gesamtes Programm vorübergehend ein. Aber ich träume immer noch von einem Konzert dort oben.
Wie viel von Ihrer Musik entsteht wirklich live während eines Konzertes?
Jarre: Ich möchte die Live-Performance in die elektronische Musik zurückbringen. Zu viert bedienen wir 60 bis 70 elektronische Instrumente aus den 20er bis 70er Jahren. Auch damit kann man improvisieren wie ein Jazzer. Nicht, weil wir Spaß daran haben, mit komischen Instrumenten wie dem Theremin zu spielen. Wir lieben einfach den Sound. Kein Computer ersetzt ein Mellotron aus den 60er Jahren. Dieses 400 Kilo schwere Instrument mit dicken Röhren ist die Urform des Samplers. Darüber hinaus präsentieren wir auch völlig neue digitale Prototypen.
Welche Beziehung haben Sie zu deutschen Elektronikpionieren wie Tangerine Dream und Klaus Schulze aus Berlin und Kraftwerk aus Düsseldorf?
Jarre: In den späten 60ern studierte ich elektroakustische Musik bei Pierre Schaeffer in Paris, anschließend ein Semester bei Karlheinz Stockhausen in Köln. Die deutsche Elektronikszene habe ich stets mit großem Interesse verfolgt. Wir fingen ja alle zur selben Zeit an. Kraftwerk hatten jedoch einen anderen, roboterhaften Ansatz, während meine Musik organischer und sinnlicher war.
Hat die elektronische Musik längst das Niveau der Klassik erreicht?
Jarre: Elektronische Instrumente haben die Art und Weise des Komponierens radikal verändert. Aber Elektronik ist kein Stil wie Jazz, Rock, Pop oder Klassik. Pierre Schaeffer war der Erste, der feststellte, dass Musik nicht nur aus Noten, sondern auch aus Klängen besteht. Das ist heute von immenser Bedeutung.
Panasonic arbeitet an der Weiterentwicklung der 3D-Technik. Sie sind angeblich der erste Künstler, der diese Innovation präsentieren darf.
Jarre: Das erste Produkt speziell für diese Technik soll eine 3D-Blu-ray-Disk von mir sein. Eventuell filmen wir die Berliner Show mit einem professionellen 3D-Full-HD-Produktionssystem. Panasonic will es hinkriegen, dass man zum Betrachten keine dieser Gimmick-Brillen mehr benötigt.
Jean Michel Jarre tritt am 12. März in der Bamberger Jako-Arena auf.
Olaf Neumann |
| 8.2.2010 |
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