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Unglückliche Glücksboten

Kaminkehrer sehen bei neuen Gesetzen schwarz
 Unglückliche Glücksboten
Foto: Shaw
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ROTH - Wer sie berührt, dem bringen sie angeblich Glück und Reichtum. Und da ein Stadtoberhaupt von beidem nicht genug haben kann, sind bei Roths Bürgermeister Richard Erdmann zu Jahresbeginn meist gleich mehrere Kaminkehrer zu Gast. Fünf waren es in diesem Jahr, doch diesmal hatten die schwarzen Glücksbringer nicht nur gute Wünsche im Gepäck, sondern auch bittere Klagen über die bevorstehende Anpassung des Schornsteinfegergesetzes an EU-Recht und die Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes.

«Den Mercedes gegen einen Dacia eintauschen«, das ist es laut Erdmann in etwa, was die Bundesregierung mit der von der EU-Kommission geforderten Marktliberalisierung bei den Kaminkehrern erreicht. Tritt die Reform 2013 in Kraft, dürfen die Bürger ihren Schlotfeger frei wählen. Sie können dann einen Bekannten oder sogar einen Dienstleister aus dem europäischen Ausland beauftragen.

Die bisherigen Bezirksschornsteinfegermeister haben zwar als Bezirksbevollmächtigte noch die Aufsicht, aber auch ihre Bezirke werden fortan alle sieben Jahre per Ausschreibung neu vergeben. Langjährige Meister werden allerdings anhand eines Punktesystems bevorzugt.

Um weiterhin sicherzustellen, dass Heizungs- und Ofenbetreiber ihre Anlagen regelmäßig warten und reinigen lassen, wird zugleich ein sogenannter «Feuerstättenbescheid« eingeführt, den sich die Besitzer alle drei Jahre vom Bevollmächtigten ausstellen lassen müssen. Die Verantwortung für alle dazwischenliegenden Reinigungen liegt dann aber ähnlich wie beim TÜV beim Hausbesitzer, nicht mehr beim Kaminkehrer. Werden die Fristen überschritten, schaltet sich das Landratsamt ein, was teuer werden kann. Der seit dem 18. Jahrhundert eifersüchtig gehütete «Kehrzwang« bleibt dennoch erhalten. Dank ihm arbeiten in Deutschland heute rund 20000 Kaminkehrer und 8000 Bezirksmeister. Zum Vergleich: Die USA kommen mit 800 aus.

Bezirksmeister Manfred Schwegler aus Treuchtlingen lehnt die neuen Regelungen ab. «Das bisherige Schornsteinfegergesetz hat Brandschutz, Umweltschutz und Sicherheit bedeutet«, ist er sich mit seinem Kollegen Rudolf Trost aus Windsbach einig. Nun könne jeder x-beliebige, schlecht ausgebildete und ortsfremde Handwerker die hochqualifizierten Fachleute mit Dumpingpreisen unterbieten.

Die handwerkliche Tradition der Kaminkehrer werde so «kaputt gemacht«, pflichtet ihnen Bürgermeister Erdmann bei. «Es liegt in der Hand der Hausbesitzer«, stellt er klar und appelliert an diese, «auf deutsche Wertarbeit zu setzen«. Ob freilich allzu viele Konkurrenten aus Österreich, Polen oder Tschechien den Markt überschwemmen werden, ist wegen der Anfahrtwege ohnehin fraglich.

Zukunftsängste wegen des neuen Gesetzes hat aber noch eine andere Branche: Die Heizungsbauer befürchten den Verlust Tausender Jobs, wenn die Schornsteinfeger im Gegenzug für den Fall ihres Monopols künftig im Nebenerwerb auch Kamine und Heizungen einbauen, Kessel warten und als Energieberater tätig sein dürfen.

Für Zuversicht sorgt beim Rathauschef der schwarzhütige Nachwuchs: Bernd Neumann, Markus Gruber und Christopher Rührich sind Schlotfegerlehrlinge und wachsen bereits mit den neuen Regeln in ihren Beruf hinein. «Qualität setzt sich letztlich durch«, ist sich Erdmann sicher. Und auch die Stadt habe bei Ausschreibungen mittels Vorgaben durchaus Spielraum.

Auf das Vertrauensverhältnis mit den langjährigen Kunden setzen Schwegler und Trost auch mit Blick auf die Novellierung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. «Da gibt es so viele Ausnahmen und Sonderregelungen und so vieles steht noch überhaupt nicht fest, dass man keine allgemeinen Aussagen treffen kann«, erklärt Schwegler. Und genau deshalb sei die persönliche Beratung durch den Fachmann unersetzlich.

Sicher ist nach Worten des Meisters bislang lediglich, dass die Kaminkehrer künftig alle Heizungen und Feuerstellen in ihren Bezirken registrieren und auf den Schadstoffausstoß überprüfen müssen. Abgenommen werden müssen neue Öfen ohnehin bereits seit 2008. Je älter die Anlage, desto wahrscheinlicher, dass sie umgerüstet oder gar ersetzt werden muss. «Bei vielen neuen Modellen wird aber gar nichts passieren«, beruhigt der Experte.

(psh)
21.1.2010
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