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Tropenbäume fallen für Nürnbergs Parkbänke

Verein «Rettet den Regenwald» läuft Sturm
 Tropenbäume fallen für Nürnbergs Parkbänke
Foto: dpa
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Foto: Stefan Hippel
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NÜRNBERG - Umstritten: Die Stadt rüstet derzeit 200 Parkbänke mit Tropenholz aus. Nach und nach sollen alle 3500 Freiluftmöbel in Nürnberg mit Holz aus Wäldern in Kamerun und Kongo bestückt werden. Dagegen läuft die Umweltorganisation «Rettet den Regenwald e. V.» Sturm.

Im November 1988 hat sich die Stadt auf Initiative der Grünen auf eine gemeinsame Linie geeinigt: Sie verzichtet künftig bei allen Bauvorhaben grundsätzlich auf tropische Hölzer. Nun will die Stadt die selbst gegebene Regel aber aufweichen. Bereits 2007 spielten Vertreter des damaligen Gartenbauamtes offen mit dem Gedanken, Material aus Regenwäldern für Parkbänke zu verwenden. Seit kurzem ist - nach einem Beschluss im Bau- und Vergabeausschuss Ende April - der Weg für Tropenholz in Nürnberger Parks frei. Selbst die Grünen rückten von ihrem «Nein» ab. Zunächst werden nur 200 Bänke mit den afrikanischen Holzarten Movingui und Kosipo versehen. Nach und nach sollen aber alle 3500 Bänke im Stadtgebiet umgerüstet werden.

Aufschrei unter Umweltaktivisten

Dieser Vorgang hat einen Aufschrei unter Umweltaktivisten ausgelöst. Die Organisation «Rettet den Regenwald e. V.» hat eine E-Mail-Protestaktion initiiert, zahlreiche Beschwerden sind im Bürgermeisteramt bereits eingegangen. Der Vorwurf: Die Stadt beteilige sich bei «gravierenden Eingriffen» im Tropenwald. «Die komplexen Urwälder reagieren aber sehr sensibel auf den Holzeinschlag», so Klaus Schenck von «Rettet den Regenwald». Dadurch werde die Artenvielfalt vermindert, die Böden, die Wasser- und Klimabilanz sowie die lokale Bevölkerung geschädigt, sagt er.

Diese Vorwürfe will Ulrike Goeken-Haidl nicht stehen lassen. Die Sprecherin des Servicebetriebs Öffentlicher Raum (Sör) weist darauf hin, dass für den Einbau nur Hölzer verwendet werden, die von FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert wurden. «Das Material stammt ausschließlich aus umwelt- und sozialverträglicher Produktion», sagt sie. Geplant sei zudem eine Patenschaft. «Sör möchte in einem Dorf des Abbaugebietes ein Bildungsprojekt initiieren.»

Warum kein eigenes Gewächs

Warum aber Tropenholz und kein einheimisches Gewächs? Es hat eine Lebensdauer von rund 25 Jahren, sagt die Sör-Sprecherin. «Einheimische Hölzer auf Bänken müssen teils nach einem Jahr wegen Verwitterung und Pilzbefalls ausgewechselt werden.» Gegen solche Umwelteinflüsse seien Tropenhölzer resistent.

Der Bund Naturschutz (BN) schlägt in dieselbe Kerbe. «Die zertifizierten Tropenhölzer sind bei den Bänken die richtige Wahl», sagt BN-Geschäftsführer André Winkel. Die Auswahl der Bäume im Regenwald sei «sehr selektiv». «Die Stämme werden einzeln aus dem Wald geholt», berichtet er. Es werde somit kein «ganzes Quartier» im Wald «plattgemacht».

Ein wenig Bauchweh

Ein wenig «Bauchweh» beim Gedanken an Tropenhölzer auf Nürnbergs Parkbänken hat die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Brigitte Wellhöfer. «Wir sind da im Zwiespalt», sagt sie. Zum einen berge die Tropenholz-Nachfrage Chancen für die Wirtschaft in den afrikanischen Ländern. «Wir trinken auch den fair gehandelten Kaffee mit dem entsprechenden Zertifikat.» Zum anderen aber müsse das Holz über die halbe Weltkugel transportiert werden - das widerspreche ihrer ökologischen Überzeugung.

Klaus Schenck von «Rettet den Regenwald» hält vom FSC-Zertifikat nichts: Die Arbeiter rücken dennoch mit schwerem Gerät an und legen Straßen, um an das Holz heranzukommen. «Es werden zwar Arbeitsplätze geschaffen. Aber die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung wird massiv beeinträchtigt.» Denn mit den Eingriffen gehe die «Wilddichte» zurück. Die Folge: «Die Völker, die sich vom Jagen ernähren, haben wiederum immer weniger zu essen.»

Alexander Brock
1.9.2009
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