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Franken wird zur Kulisse für ein Kino-Drama

Dreharbeiten bei Eggolsheim für den Film ,Das Schweigen’
 Franken wird zur Kulisse für ein Kino-Drama
Foto: Huber-Altjohann
Bitte Bild anklicken!
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EGGOLSHEIM - Kamera, Klappe, Action heißt es zurzeit am alten Ölhafen am Europa-Kanal bei Eggolsheim. Noch bis Ende der Woche wird dort das Kino-Krimidrama «Das Schweigen« mit namhaften Schauspielern und 200 Komparsen aus der Region unter der Regie des aus Erlangen stammenden Baran bo Odar gedreht.

Für Außenstehende mutet die Szenerie reichlich belanglos an. In einem THW-Boot kreuzen Männer in blauen Life-Jackets über das grünlich trübe Wasser. Mit an Bord haben sie Kameras, ein Wuschelmikrophon hängt an einer langen Stange über den Köpfen. Kamera, Klappe, Action - alles nicht weiter beeindruckend. Erst im filmischen Zusammenhang wird die Szene später auf der Kinoleinwand hochdramatisch wirken. Dann nämlich erschließt sich, dass Taucher nach einer Mädchenleiche suchen. Soviel zur Arbeits-Wirklichkeit am Set.

Tafelspitz aus der Feldküche

Oben am Kai, wo ein alter Kran vor sich hinrostet und ein schrottreifer roter Mercedes mit eingeschlagenen Scheiben hübsch in die Landschaft drapiert ist, hat das Filmteam sein Lager aufgeschlagen. Lager, das darf man gerne wörtlich nehmen. Eine Art gehobene Feldküche serviert Tafelspitz, Dixie-Klos sind aufgestellt, weiße Zeltplanen sorgen für Schutz vor der sengenden Sonne. Darunter versammeln sich alle, die gerade nicht am Set sind.

Gedreht wird «Das Schweigen«, ein mysteriöses Drama um die Abgründe der menschlichen Seele, das auf dem gleichnamigen Kriminal-Roman von Jan Costin Wagner basiert. Es erzählt vom Verschwinden der 13-jährigen Sinikka an genau derselben Stelle, wo vor 23 Jahren ein junges Mädchen ermordet worden war. Während für Sinikkas Eltern das unerträgliche Warten beginnt, wird die Mutter der ermordeten Pia grausam von der Vergangenheit eingeholt.

Szenen auf dem Annafest

Dass der Film neben Erfurt auch in der Nürnberger Bauernfeindsiedlung (wo sich Anwohner wegen dauerbesetzter Parkplätze beschwerten) im Frankencenter, auf dem Forchheimer Annafest, im Erlanger Freibad West und eben am alten Ölhafen bei Eggolsheim gedreht wird, kommt nicht von ungefähr. Der preisgekrönte Nachwuchs-Regisseur und Drehbuchautor Baran bo Odar stammt aus Erlangen, kennt sich also in der Gegend aus.

2,4 Millionen Euro sind für den Streifen angesetzt. «Eine ungewöhnlich hohe Summe für einen Debütanten, doch die Förderer ließen sich von Bos erstem Film ,Unter der Sonne’ überzeugen«, betont Produzent Jörg Schulze. Er spricht bei der aktuellen Produktion statt von Thriller oder Krimi, lieber gehoben von «Neo Noir«-Film. Schließlich soll «Das Schweigen« bei Verleih und Publikum nicht in der «Tatort«-Schublade landen.

Drehbuch überzeugte

Und wie angelt sich ein gerade mal 31-jähriger Drehbuchautor und Regisseur Stars wie Katrin Sass (Good bye, Lenin!«), Burghart Klaußner («Requiem«, «Die fetten Jahre sind vorbei«) und Sebastian Blomberg («Baader-Meinhof-Komplex«)? Mit einem gelungenen Drehbuch. Das kam bei den Schauspielern so gut an, dass sich Odar vor Angeboten kaum retten konnte. «Ich hatte da das echte Luxusproblem, unter den Schauspielern auswählen zu müssen«, gesteht er.

Diejenigen, die er ausgesucht hat, sind tatsächlich begeistert: Burghart Klaußner, der zum ersten Mal einen Kommissar spielt, gefällt die Art, «wie die Personen miteinander verknüpft sind, wie an jedem ein Makel hängt«. Auch von Odars Regie ist er angetan: «Der Junge weiß, was er macht, und tut es mit einer Gelassenheit, die überrascht.« Überhaupt müsse man die jungen Leute der Filmszene aufbauen, nicht immer nur die «alten Knochen«, schmunzelt er.

Kinostart im kommenden Jahr

Auch Katrin Sass schätzt das entspannte Arbeiten mit dem Erlanger Nachwuchstalent. «Es geht humorvoll und frei zu, wie es mit alten Regie-Hasen oft nicht ist«, sagt die 52-Jährige, die vor der Wende eine der renommiertesten Darstellerinnen Ostdeutschlands war. Alles laufe unaufgeregt und ohne Stress. «Aber ganz allgemein: Ich sitze hier in einem echten Profi-Team.« Das wird Ende der Woche seine Zelte abbauen und nach insgesamt 40 Aufnahmetagen die Dreharbeiten für «Das Schweigen« beenden. Der fertige Film kommt voraussichtlich im Frühjahr 2010 ins Kino.

Birgit Nüchterlein
5.8.2009
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