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Mensch und Hund als tierisch-gutes Team

«Hunde im Therapieeinsatz« heißt ein Projekt der Johanniter-Unfall-Hilfe - Kommunikation auf anderer Ebene
 Mensch und Hund als tierisch-gutes Team
Foto: Bittner
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ROTH- Ein Mensch. Ein Hund. Eine Beziehung. Seit 2006 setzt der Johanniter- Regionalverband Mittelfranken mit seinem Projekt «Hunde im Therapieeinsatz« (HiT) auf diese einfache, aber effektvolle Formel. Edeltraud Eder gehört zu den 14 Hundeführern in der Region, die auf Basis der Johanniter-Initiative ein ungewöhnliches Ehrenamt versehen: In einem Alten- und Pflegeheim schaute die RHV der Rotherin und ihrem Elo-Rüden «Socke« über die Schulter.

Erinnerungen. Überall Erinnerungen. Sie stehen auf Fensterbrett, Nachtkästchen, Tisch und Schrank. Eine ganze Serie von Fotos. Darauf ist die junge Frau zu sehen, die zur Dame reift, um schließlich als Seniorin aus dem Bilderrahmen zu lächeln. Lebensspuren...

Auch jetzt lächelt Hanna Menrich (Name von der Redaktion geändert). Diesmal in natura. Eine alte Frau ohne Erinnerung ist sie heute – trotz der sie umgebenden Erinnerungen. Denn die 83-Jährige leidet an einer Altersdemenz. So wie über eine Million Menschen in Deutschland jenseits des 65. Lebensjahres.

Das Wort «Demenz« leitet sich von der lateinischen Vokabel «dementia«ab und bedeutet «ohne Geist«. Konkret beeinflusst die Krankheit nämlich in erster Linie das Gedächtnis, das Denkvermögen.

Und in der Tat: Hanna Menrich scheint nicht zu wissen, wer das Gesicht auf all den Fotos ist. Scheint sich nicht wiederzuerkennen im Voranschreiten der Zeitläufe.

Auch den wuscheligen Vierbeiner, der zu ihren Füßen kauert, blickt sie an, als sähe sie ihn zum ersten Mal. Dabei haben Edeltraud Eder und ihr Hund «Socke« schon so oft in dem Heimzimmer der weißhaarigen Frau gesessen. Haben den kleinen Knautschball geworfen, die Futterkugel gerollt, haben versucht, eine kurzzeitige Beziehung aufzubauen. Woche für Woche.

Und dennoch ist Edeltraud Eder zufrieden. An diesem Nachmittag zeige Hanna Menrich «erstaunlich viel Interesse«. Sie lässt sich bereitwillig «Leckerlies« in die Hand drücken und hält diese dem Elo-Rüden «Socke« hin, der solches Angebot gerne annimmt.

Ob ihr das gefalle? Stille. Eine Antwort ist von der Seniorin im Rollstuhl nicht zu erwarten. Auf Edeltraud Eders Fragen folgt stets die gleiche Geste: ein nettes Lächeln, ein Achselzucken.

Trotzdem. Monika Malm, Pflegedienstleiterin im Schwabacher Hans-Herbst-Haus, ist absolut überzeugt von «tierischen Therapeuten« wie «Socke«. Wenn man miterleben dürfe, wie ein bettlägriger, vollkommen passiver, ja teilnahmsloser Patient wieder Reaktion zeige, dann erübrige sich die kritische Frage nach dem Nutzen tiergestützter Therapie. Deshalb hat die Senioren- und Pflege-Einrichtung gleich mehrere HiT-Einheiten bei den Johannitern gebucht.

Auch im Falle Hanna Menrichs befürwortet Monika Malm den Besuch «Sockes«. Die betagte Dame sei durch ihre Demenz «vollkommen isoliert«. In das gesellschaftliche Gefüge des Heimes könne sie sich nicht mehr einbringen. Bekanntschaften, nette Pläuschchen? Fehlanzeige. Ein kleiner Lichtblick sei «Socke« demnach allemal. Auch wenn sich das Licht schließlich wieder im Einheitsgrau der Demenz verliere.

Frustrierend wäre diese Erfahrung für sie nicht, sagt Edeltraud Eder. «Ich weiß ja, was das für eine Krankheit ist«. Die Entscheidung zugunsten des Ehrenamtes hätte sie ohnehin von ihrem Hund abhängig gemacht: «Ich hatte den Eindruck, dass ihm Gassi gehen einfach nicht reicht«. Und weil dem gold- sowie silberprämierten Elo-Rüden schon mehrfach Attitüden wie Klugheit, Charakterstärke und Kontaktfreudigkeit attestiert wurden, wähnte sie sich bei «HiT« an der richtigen Adresse.

Doch bevor Hund und Frauchen zum Einsatz durften, hatten sie eine kostenpflichtige Ausbildung bei der Johanniter-Unfall-Hilfe zu durchlaufen, die nunmehr durch eine regelmäßige Aufwandsentschädigung pro Einsatz und Tierarztzuschüsse refinanziert wird.

«Mit der Ausbildung wollen wir ein Maximum an Qualität und Sicherheit sowohl für die Kunden als auch für unsere Teams garantieren«, erklärt Sozialpädagogin Simone Meyer, die das HiT-Projekt leitet und betreut. Sie weiß daher um den «wirkungsvollen Einsatz« der Tiere nicht nur im Hinblick auf Demenzpatienten. «Positive Effekte« wären überdies bei Menschen mit Depressionen, körperlich Behinderten, Schlaganfallpatienten, entwicklungsverzögerten, logopädiebedürftigen oder Kindern mit ADHS festgestellt worden.

«Hunde urteilen nicht und begegnen dem Menschen unvoreingenommen. Sie wecken Erinnerungen und Assoziationen, aktivieren und bieten einen unkomplizierten Gesprächsanlass. Deshalb kann die Arbeit mit Hunden in vielen Bereichen eingesetzt werden«, heißt es dazu in einem umfassenden Exposé der Johanniter.

Drum lautet ein wichtiger Grundsatz: «Die Hunde sollten durch den Hundeführer so wenig wie möglich und soviel wie nötig gesteuert werden«. Aber auch: «Wenn das Tier unruhig wird, ist die halbstündige Sequenz sofort abzubrechen«. Auf die Befindlichkeit des Tieres sei nämlich ebenso zu achten wie auf die des Klienten, erläutert Edeltraud Eder.

Nicht zuletzt deshalb ist sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit so überzeugt. Außerdem merke man einfach, «dass Hund und Mensch auf einer völlig anderen Ebene kommunizieren. Da läuft so viel auf der Gefühlsschiene ab. Was wissen wir denn schon darüber, wie sie fühlt...«, sagt Edeltraud Eder und blickt Hanna Menrich freundlich an. Die alte Dame sagt nichts. Aber sie lächelt... PETRA BITTNER

Informationen zum Projekt «Hunde im Therapieeinsatz« beim mittelfränkischen Regionalverband der Johanniter-Unfall-Hilfe in Schwabach unter (09122) 6939877.
27.6.2009
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